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Die Rußheimer Frühjahrsprüfung fand bei kühlem, aber trockenem Wetter statt. Erst nach Prüfungsende gingen kräftige Regenschauer nieder. Tja, wenn Engel reisen…
Chaya hatte ich zur Begleithundprüfung gemeldet. Aber sie ist immer für eine Überraschung gut. Just am Morgen des Prüfungsvortages, sinnigerweise dem 1. April, spaltete sie sich wieder einmal eine vordere Kralle längs bis ins Nagelbett hinein und humpelte jämmerlich auf drei Beinen. Über diesen fiesen Aprilscherz konnte ich gar nicht lachen, hatte ich doch schon mehrere Prüfungen wegen ähnlicher Verletzungen kurzfristig canceln müssen.
Dank Homöopathie bekam ich Chaya bis zum Prüfungstag so weit fit und konnte sie auch trieblich so hoch fahren, dass sie ihre Verletzung sehr gut überspielte und die beste BH ihrer Laufbahn ablegte. Leistungsrichter Jacob Kihm war begeistert von der Vorführung. Einzig und allein beim „Ablegen mit Herankommen“ bemängelte er den leicht schrägen Vorsitz und Affensprung und vergab ein „sehr gut“. Alle weiteren Übungen waren „vorzüglich“. Also maximal 1 Punkt Abzug, das ergibt 59 Punkte (Ergebnis wurde aber nicht gesagt). Somit das Gegenteil der Auswärts-BH zwei Wochen zuvor! Das soll einer verstehen. Aber das lag sicher nicht nur daran, dass wir Chaya diesmal die eingestreuten Markierungen vorher gezeigt hatten. Nein, ich habe mir wegen ihrer Verletzung ganz einfach viel mehr Mühe gegeben.
Mit Asterix trat ich unter schrecklichen Horrorvisionen zur VPG 1 an. In der Fährte war ich mir seiner Fähigkeiten zwar recht sicher, aber seine schöne Unterordnung hatte ich mir im Vorprüfungsstress durch Ungeduld und zu viel Training so vermasselt, dass sie meinen eigenen Ansprüchen nicht mehr genügte.
Außerdem hielt der Gehorsam im Schutzdienst dem Trieb bei Weitem noch nicht die Waage – daher Asterix´ Beiname „Fisherman´s Friend“ (ist er zu stark, bist du zu schwach). Der bewahrheitete sich dann auch sehr drastisch ausgerechnet 4 Tage vor der Prüfung: Asterix ließ bei der langen Flucht nicht mehr ab! Das Problem bekamen wir kurzfristig gelöst, wohl wissend, dass das Bild im Schutzdienst vorübergehend Einschränkungen haben wird. Über mir schwebte nun aber das Damokles- schwert des möglichen Nichtablassens in der Prüfung und das machte mir eine Höllenangst!!!
In die Fährte ging ich noch recht cool. Wir suchten auf schwarzem Acker, teils geeggt, teils noch grobschollig. Asterix überlief den 1. Winkel um eine Körperlänge, um kurz die hübsche hellgrüne Saat auf dem Nachbaracker zu inspizieren. Er suchte sich aber schnell wieder ein und die restliche Fährte war dann fehlerfrei. 96 Punkte!
Vor der Unterordnung war mir schon nicht mehr so wohl. Tatsächlich bekam ich ihn auf der ersten Geraden partout nicht zum freudigen Laufen. Das gelang erst später, als ich mich etwas entkrampft hatte. Das Apportieren fiel erwartungsgemäß nicht so toll aus. Asterix wirkte besonders bei den Rückwegen müde, knautschte beim Aufnehmen des Holzes, saß auch nicht eng vor. Danach freute ich mich darauf, wenigstens als krönenden Abschluss unser wirklich sehenswertes Voraus vorführen zu können. Doch das war uns nicht vergönnt. Als wir voll Tatendrang am Start standen, erging sich der LR erst einmal in detaillierten Erklärungen zum Ablauf der Voraus-Übung. Dann gab er uns frei, stoppte uns jedoch wieder, weil er unseren Prüfungspartner doch noch mehr aus dem Weg haben wollte, dann schickte er uns nochmals los. Dieses Hin und Her war eine absolute Triebbremse, die Spannung war weg und ich brauchte, da Asterix nach dem “Voraus” plötzlich verunsichert stehen blieb, ein zweites Kommando. Mit diesem unnötigen Fehlschlag haderte ich so sehr, dass ich das Ablegen vergaß und vom LR daran erinnert werden musste. Übrig blieben 90 Punkte.
Beim Schutzdienst schließlich schaltete mein gestresstes Gehirn auf Notstrom. Es gaukelte mir vor, ich sei Zuschauer (m)eines Films. Dem Intro bis zur kurzen Flucht konnte ich noch gedanklich folgen – war offenbar eine Wiederholung -, aber was dann kam, war irgendwie mehr neu als altbekannt – ein Remake? Bestimmte Stellen erkannte mein Unterbewusstsein wieder und schickte mir Signale, die ich jeweils im allerletzten Moment umsetzte: „Aus“ rief diese fremde und doch vertraute Stimme und da vorne tat sich erstaunlicherweise was! Und irgendwann mischte ich mich dann auch unter die Schauspieler…
Obwohl für mich alles ziemlich nebulös ablief, kann ich das Verhalten des Hauptdarstellers jetzt im Nachhinein zumindest grob beschreiben. Asterix hatte die Korrekturmaßnahmen wegen des Nichtablassens beileibe nicht vergessen und zeigte - als Meideverhalten gegenüber dem Ärmel - Verbellen und Bewachung deutlich auf Stockseite. Auch hielt er in den Bewachungsphasen Sicherheitsabstand und pendelte etwas vor dem Helfer. Die Angriffe zog er wie gewohnt durch und die Griffe waren in Ordnung. Durch mein extrem spätes „Aus“-Kommando fing er in der Endphase aber etwas an zu kauen. Jedes „Aus“ befolgte er jedoch sofort - puuh!
Das „Highlight“ meiner Unkonzentriertheit war aber der Seitentransport. Ich war derart neben der Kappe, dass ich Asterix in den Rechtshelfer (!!!) hinein drückte und dieser – die günstige Gelegenheit nutzend - sich herzhaft am Ärmel gütlich tat. Erst auf ein sattes „Aus“ ließ er ab. Der LR schimpfte arg mit mir, weil ich durch diese dumme Unachtsamkeit am Schluss das vorgesehene „Sehr gut“ versaut habe. Es blieben 89 Punkte, TSB: ausgeprägt.
Mit unserem VPG 1-Ergebnis von 96-90-89a = 275 Punkte/sehr gut wurden wir Tagessieger. Dazu noch die tolle BH von Chaya – wir können stolz auf uns sein! Auch kennen wir jetzt unsere Schwachstellen (ich würde sagen, die Hundeführerin…), an denen wir arbeiten müssen.
Die Prüfung war übrigens ein Familienevent. Asterix´ Mama Fanny legte die VPG 3 mit 90-88-93 = 271 Punkten/sehr gut und Wurfbruder Accolon seine BH ab.
Fotos und Videos machte Petra, das Frauchen von Wurfschwester Arielle. Die Bilder von Chayas BH sind auf Chayas Seiten hinterlegt.
Ein riesiges Dankeschön möchte ich an dieser Stelle meinem Übungswart und Schutzdiensthelfer Andreas aussprechen, der in den letzten Monaten unendlich viel Energie und Einfallsreichtum in meinen schwierigen Asterix investiert und eine Engelsgeduld mit seiner sturen Hundeführerin bewiesen hat. Ein dickes Danke geht auch an meinen hilfreichen Leinenbeauftragten Gerd, der sprichwörtlich “hinter meinem Rücken” den Kopf über mich geschüttelt, sich aber jede Bemerkung verkniffen hat.
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