2007 - IPO 3 (4)

 

 

 

 

 

Prüfung am 25.11.2007 beim VdH Stutensee oder “Top oder Flop”

 

Ergebnis:

 

Asterix:

IPO 3 (93-92-80a = 265 Punkte/G)

 

Mitten in eine tiefgreifende Trainingsumstellung im Schutzdienst hinein habe ich mit Asterix eine Auswärtsprüfung gewagt. Dass eine Prüfung in dieser heiklen Phase zum Megaflop geraten kann, war mir durchaus bewusst, aber des Menschen Wille ist bekanntlich sein Himmelreich.

Wenn ich geahnt hätte, welch große und prominente Kulisse mich erwarten würde und dass ich ganz zum Schluss nach lauter bekannten Cracks starten müsste, hätte ich möglicherweise gekniffen. Aber nun war es zu spät und ich musste mich wohl oder übel der selbst verordneten Aufgabe stellen.

Am Prüfungstag war mein Hirn trotz reichlicher Koffeinzufuhr partout nicht wach zu kriegen. Zudem hatte der Wettergott kein Mitleid, sondern schickte Temperaturen knapp über dem Gefrierpunkt, Regen und eiskalten, stechenden Wind - für mich als Kontaktlinsenträgerin die reinste Folter. Meine Augen brannten und trieften die ganze Zeit und ich sah streckenweise nur Schleier. Wie soll man sich da auf eine Prüfung konzentrieren?

Fährte

Wir suchten auf schwarzem Acker. Ich zog ausgerechnet das Los für die letzte Fährte. Nach langer Wartezeit im eisigen Wind war ich nicht nur müde, sondern auch steif gefroren und hatte rote Augen wie ein Angora-Hase. Bezüglich der Fährte war ich sehr zuversichtlich, doch in meinem angeschlagenen Zustand bescherte ich mir selbst einige unliebsame Überraschungen. Nach einer verunglückten Anmeldung bei LR Werner Rutsch versuchte ich, mich zusammen zu reißen, und machte gleich den ersten Fehler. Ganz im Gegensatz zum Training bremste ich Asterix auf dem Weg zum Fährtenansatz mit aller Kraft aus und stellte mich am Ansatz direkt hinter ihn. Das empfand er wohl als so bedrohlich, dass er erst nach Blickkontakt und einem zweiten Such-Kommando hinaus auf die Fährte ging. Danach war er wieder der Alte, bis Frauchen am ersten Winkel auf die Idee kam, anstatt wie sonst übereck auf der Spur zu warten, aus dem Winkel hinaus hinter den Hund zu laufen. Prompt schaute er sich bei dieser ungewohnten Aktion um, nahm aber die Sucharbeit sofort selbstständig wieder auf. Da dem maladen Frauchen zu dem Zeitpunkt noch nicht klar war, wo der Fehler lag, wiederholte sich das Ganze auch an den restlichen 3 Winkeln. Und so kam es, dass wir nach ansonsten einwandfreier Arbeit für das doppelte Such-Kommando am Ansatz, 4mal Umschauen und leichte Beschleunigung auf dem letzten Schenkel 93 Punkte ernteten.

Asterix´ Reaktion auf die Führerfehler hat aufgezeigt, dass er noch nicht das nötige Vertrauen in mich hat und sich noch viel zu sehr ablenken lässt. Das können wir uns nicht mehr leisten, also müssen wir konsequent daran arbeiten.

Unterordnung

Von meinen bisherigen Vereinsprüfungen bin ich es gewöhnt, dass nur die Fährte ausgelost, der Start bei Unterordnung und Schutzdienst aber aufsteigend nach Leistungsstand gesetzt wird. Für mich war es das allererste Mal, dass die Auslosung für die gesamte Prüfung galt. Ich kleines Würstchen als Allerletzte – das machte mich ausgesprochen nervös...

Nach 2 Literflaschen Cola-Zero, 2 Flaschen Mineralwasser und schätzungsweise  einem Dutzend Entwässerungsgängen war meine Unterordnung an der Reihe. Ein Kontaktlinsenwechsel hatte leider keine Besserung für meine angegriffenen Augen gebracht und so lief ich wie im Blindflug neben meinem Hund her. Mangels Resonanz meinerseits machte er nur Dienst nach Vorschrift und fand nicht zu seinem typischen lockeren Laufstil. Für ein Sehr gut in der Freifolge reichte es dennoch. Vor den technischen Übungen begann sich mein Blickfeld endlich aufzuklären. Mit Ausnahme des Steh aus dem Laufschritt – hier trippelte er 4 Schritte nach und wir erhielten ein Gut – wurden die technischen Übungen zwischen vorzüglich und sehr gut bewertet.  Ein absolut unnötiger Fehler passierte beim Bringen über die Hürde. Hier war eine Startlinie angezeichnet, die für Asterix´ Verhältnisse viel zu nah am Hindernis lag. Nach Rückfrage beim LR hätte ich mich nicht daran halten müssen, aber ich blieb dann doch, wo ich war, und schickte Asterix los. Und es kam, wie es kommen musste: Für seinen üblichen Riesensatz war der Platz zu eng und er touchierte beim Hinsprung die Hürde. Insgesamt hätten die Abschlüsse beim Apportieren zügiger sein sollen und einmal saß er von mir unbemerkt nicht ganz durch. Das Voraus war schließlich vorzüglich. Zu Anfang der Ablage zeigte er sich etwas unruhig, was höchstwahrscheinlich seiner „Fremdelei“ zuzuschreiben ist: Diesmal lag er nämlich einige Meter von der üblichen Ablagestelle entfernt.

Die vielen kleinen Fehler bescherten uns ein Ergebnis von 92 Punkten. Das war – darauf bin ich echt stolz – die beste Unterordnung des Tages.

Schutzdienst

Allein bei dem Gedanken, dass wir ausgerechnet als Allerletzte nach einer Reihe exquisiter Schutzdienste antreten mussten, starb ich tausend Tode. Diesem direkten Vergleich könnten wir im Leben nicht standhalten! Und die ganzen versammelten VIPs würden zuschauen! Vielleicht hatte ich ja doch zu hoch gepokert…?

Die Antwort nehme ich voraus: Asterix zeigte den schlechtesten Schutzdienst seiner Laufbahn. Er rief wirklich jede nur erdenkliche Fehlleistung der Vergangenheit ab und setzte noch ein paar drauf. Mich ließ er schon wieder eiskalt abblitzen. So stand ich dieses Jahr schon zum dritten Mal wie ein Idiot da. Eins ist sicher: Das lasse ich mir nicht noch einmal gefallen!!!

Schon auf dem Weg zum Platz war Asterix auf hundertachtzig, nach Disziplinarmaßnahmen gar auf dreihundertsechzig. Es ist unglaublich, welche Machtkämpfe dieser Hund inszeniert, um seinen Willen durchzusetzen. Jedenfalls war mir schon beim Einmarschieren auf den Platz klar, dass ich für heute wieder verloren hatte.  

Ganz so derb hätte er es aber nicht bringen müssen…

Das Revieren war wie immer vorzüglich, beim Stellen und Verbellen hätte Asterix etwas näher am Helfer sein dürfen. Als ich zum Abrufen um die Blende kam, reagierte er merklich auf meine Annäherung. Zwar auf einmaliges Kommando, aber demonstrativ in Zeitlupe, kam Asterix in Grundstellung. Damit zeigte er mir deutlich, dass er sich in Kürze meiner Führung entledigen wollte. Erwartungsgemäß begann er sich auf dem weiteren Weg mehr und mehr gegen mich durchzusetzen. Bei aller Widerborstigkeit scheint ihn aber stets ein „schlechtes Gewissen“ zu plagen, sonst würde er wohl nicht so stark auf meine Annäherung reagieren.

Die Ablage zur kurzen Flucht brachten wir gerade noch unfallfrei hinter uns. Beim anschließenden Absetzen aber explodierte Asterix im Ärmel. Er knurrte und zerrte und es folgte ein erstes zögerliches Aus, das mich um den Rest der Vorführung fürchten ließ. Die Abwehr verlief ähnlich, das Aus wurde widerwilliger. Als ich mich näherte, zeigte er erste Ansätze seines berüchtigten Pendelns vor dem Helfer. Beim anschließenden Rückentransport wurde er lang, länger und flacher wie ein Panther auf dem Sprung. Plötzlich machte er einen Satz nach vorne, als wolle er noch vor dem Überfall beim Helfer einschlagen, kam aber zu meinem größten Erstaunen sofort unaufgefordert (!) korrekt an den Fuß zurück. Nach dem Überfall, der in ähnlicher Stimmung wie die vorigen Beißhandlungen ablief, wurde das Aus noch zögerlicher, das Pendeln beim Herantreten verstärkte sich und das Verbellen ließ sich nicht mehr abstellen. Vor lauter Stress vergaß ich die Entwaffnung und der Helfer drückte mir zu Beginn des Seitentransports noch schnell den Stock in die Hand.

Der Seitentransport selbst geriet zum Desaster. In letzter Zeit hatte Asterix starke Tendenzen gezeigt, den Helfer rückwärts laufend wie im Ringsport abzuführen. Auch diesmal half kein noch so hartes Fuß-Kommando. Wenige Schritte vor dem LR war es dann so weit - er witschte vor und hatte damit sein Ziel erreicht. Doch wie um Himmels Willen sollte ich den außer Rand und Band geratenen Hund wieder an meinen Fuß bekommen? Erst ein Hier-Fuß wie beim Abrufen vom Versteck hatte Erfolg. Ich bin mir sicher, dass ich es nur der außerordentlichen Gnade des LR zu verdanken habe, dass er hier nicht abbrach. Sein Blick und die Worte „Gehen Sie halt nach oben“ sprachen Bände!!!

Die Lange Flucht - beim 2. Helfer - sah ganz gut aus, war aber laut wie die Kampfhandlungen zuvor. Dafür wurden die Griffe deutlich besser, das Aus aber immer widerwilliger und frecher. Beim Aus nach der letzten Abwehr setzte Asterix so hartnäckig nach, dass ich ein zweites Aus-Kommando für nötig hielt. Das Pendeln beim Herantreten war nicht ganz so dramatisch wie zuvor. Die Entwaffnung vergaß ich erneut. Wie zuvor bekam ich den Stock schnell beim Seitentransport in die Hand gedrückt. Bis zum LR schafften wir es diesmal ohne Vorwitschen...

80 Punkte, TSB ausgeprägt. Für eine Auswärtsprüfung 5 Punkte zu wenig. Wir hätten aber auch ganz ohne Punkte rauskommen können... Jedenfalls war das unsere schlechteste Prüfung überhaupt. Aber ich hatte es ja unbedingt wissen wollen.

Diese Prüfung war für mich der Wendepunkt. Ich werde nichts mehr übers Knie brechen, sondern die begonnene Trainingsumstellung mit aller Konsequenz zu Ende führen. Sonst werden uns die ausbilderischen Altlasten immer wieder einholen.

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Stand: 07.02.2008

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