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Eigentlich hatte ich dieses Jahr gar nicht zum ÖCB-Championat fahren wollen. Als Schaurichter war ein Franzose eingeladen und nach dem Desaster vor 2 Jahren - sein Landsmann richtete ausnahmslos kupierte Hunde nach vorne - hatte ich als Besitzerin einer Schlappohrigen die Nase gestrichen voll. Nur wegen einer BGH 700 km einfache Strecke zu fahren, lohnte sich nun wirklich nicht.
Dass ich mich schließlich doch dafür entschied, war Asterix´ „Verdienst“. Über den Sommer hatte mich allein der Gedanke, Anfang November unter den hocherlauchten Gärtringer Sportleraugen die BH ablegen zu müssen, von Tag zu Tag mehr in Panik versetzt. Nie und nimmer würde ich da antreten können, ohne zuvor Asterix´ Arbeitsverhalten in Prüfungen zu kennen! Ich musste also unbedingt zur eigenen Beruhigung eine Generalprobe absolvieren, und so entschloss ich mich spontan, das beim Beauceron-Championat zu tun, bei dem ja andersrassige Zweithunde als Gast außer Konkurrenz starten dürfen. Also doch ab nach Österreich!
Um uns das Leben dort möglichst angenehm zu machen, buchte ich ein schnuckeliges Gartenhäuschen in der dörflichen Hotelanlage Steinschalerhof, Rabenstein. Unterbringung, Verpflegung und Service waren phänomenal! Ein modern ausgestattetes rustikales Holzhäuschen mit wunderschöner Außenanlage, Swimmingpool und drei blökenden Schafen ganz für uns, dazu überaus schmackhafte, zum Teil geradezu außergewöhnliche biologische Speisen - wie etwa Sauerampfer-, Tomaten- und Zucchini-Marmelade - versüßten uns in jeder Hinsicht den Aufenthalt. Einziger Wermutstropfen waren die beschränkten Freilaufmöglichkeiten für Hunde, mit denen wir uns aber während des verlängerten Wochen- endes arrangieren konnten.
Die Prüfung wurde beim SVÖ Traisental durchgeführt, einem Verein mit einem herrlichen ausgedehnten Gelände zwischen zwei Bachläufen. Der sehr gepflegte Haupt-Übungsplatz grenzt zaunlos direkt an das eine Bachufer - ein kurioser Umstand, der mir noch zu schaffen machen sollte. Genau hier - gerade mal eine Hundelänge vom Wasser entfernt - befanden sich nämlich die Ablegeplätze. Asterix wollte sich beim Training gleich ins kühle Nass stürzen, hatte er doch am selben Tag schon im anderen Bachlauf baden dürfen. Oweia, bei der Prüfung konnte das ja heiter werden!
Am Prüfungstag war ich aufgeregt wie noch nie. Mit Asterix lief ich nämlich nicht wie sonst für mich allein, sondern für Andere. Im Geiste stand der ganze HSV Gärtringen mit mir auf dem Platz und schaute mir kritisch auf die Finger. Meine Güte! Der Bub zeigte sich aber von meiner Nervosität völlig unbeeindruckt. Er fand vielmehr seine allererste Leinenführigkeit hochinteressant, bei der sein Frauchen - nach 2 Jahren Leinenabstinenz – nicht wusste, wohin mit der Führhand. Er ist ja wie Chaya komplett frei ausgebildet und mit Leine hatten wir noch nie zuvor geübt. Jedenfalls zeigte Asterix durchgehend eine traumhafte, technisch einwandfreie Unterordnung, wie ich sie bei den gegebenen Umständen – sehr anstrengende Fahrt, ungewohntes Umfeld, viele fremde Hunde und Leute sowie ein obernärrisches Frauchen – nicht einmal annähernd erwartet hätte. Selbst der beim Ablegen befürchtete Sprung in den Bach blieb aus. Er konzentrierte sich vollkommen auf mich.
Bei der Richterbesprechung musste ich dann doch etwas schlucken. Die begann mit „Eigentlich hätte er 100 Punkte verdient, aber...“. Leistungsrichter Karl Ollinger war von der Vorführung zwar hellauf begeistert, beanstandete jedoch - und auch nur das - leichtes Schräglaufen sowie ein gelegentliches leichtes Hüpfen und wertete dafür die Übungsteile mit Ausnahme des Ablegens um eine Note ab. Ausbeute war schließlich ein hohes „Sehr gut“ mit 94 Punkten, mit dem wir nach Meinung der anderen Prüfungsteilnehmer und Zuschauer, die mich am Wochenende wiederholt ansprachen, völlig unterbewertet waren. LR Ollinger nahm mich danach noch für ein paar persönliche Worte beiseite und meinte, wenn es mir gelänge, das Schräge aus der Unterordnung heraus zu arbeiten, würde mein Hund künftig im hohen Vorzüglich laufen. Das versöhnte mich wieder etwas mit den harten Abzügen, hatte ich doch nun auch die Bestätigung, dass meine recht exotische Ausbildungsmethode sehr wohl erfolgreich war. Den Rest werde ich auch noch hin kriegen.
Asterix hatte an seinem ersten Prüfungstag sogar noch einen Überraschungseinsatz und durfte „Blinder Hund“ bei der IPO 3-Unterordnung von Chayas Dreiviertelbruder Camelot spielen. Also noch mal ablegen und ein Stück Schema laufen. Er tat es mit Genuss.
Meine riesige Erleichterung über Asterix´ bestandene Prüfung brach sich später bei Chayas BGH 3 Bahn. Bei mir war irgendwie die Luft raus und der Fähigkeiten meiner Hündin war ich mir sowieso viel zu sicher. Dass das nicht gut gehen kann, hätte ich wissen müssen. Aber so alberte ich während der Vorführung mit LR und Prüfungsleiter herum und meine fehlende Spannung ließ Chayas Temperament mehr und mehr überkochen. Während mein Mädel in der Freifolge noch sehr konzentriert arbeitete, fing sie bei den ausgelosten technischen Übungen (Reihenfolge: Steh aus dem Schritt, Platz mit Abrufen, Bringen über eine Schrägwand, Sitz aus der Bewegung, Bringen auf ebener Erde, Voraus) allmählich an, sich zu verselbstständigen. Beim letzten Angehen zum Voraus stand sie kurz vorm Explodieren und prellte vor Aufregung ein Stück vor. Die absolute Krönung war dann aber die Ablage, bei der sie sich einfach von mir weg Richtung Bach drehte, um dann sichtlich mit der Anziehungskraft des Wassers zu kämpfen. Ein vorbei schwimmendes Entlein hätte wahrscheinlich genügt, um sie stiften gehen zu lassen. Ob meiner Machtlosigkeit rutschte mir das Herz in die Hose, aber Chaya blieb zum Glück bis zum Schluss am Ufer liegen.
Strafe muss sein! Die Quittung für meine Verfehlungen bekam ich bei der Bewertung serviert. Es hatten sich nun mal lauter Kleinigkeiten angesammelt, und der LR meinte zum Schluss „So, jetzt sind wir bei 90 Punkten ... und da legt sich der Hund von der Hundeführerin unbemerkt beim Werfen des Holzes über die Schrägwand hin. Das gibt 1 Punkt Abzug und es bleibt noch ein Gut mit 89 Punkten.“ Ooops, das hatte sie ja noch nie gemacht! Schmerzlich: Dieser eine fehlende Punkt kostete mich den Titel des Arbeitschampions, da dieser erst ab einem „Sehr gut“ vergeben wird. Aber auch titellos belegten wir den 1. Platz unserer Prüfungsstufe.
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